Archiv: Rezensionen zu Literatur und Film

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Der neue Murakami: Infos zum Japan-Release und surreale Kunst




Das Jahr neigt sich dem Ende, es gibt nicht mehr viel zu berichten (es folgt ehrlich gesagt nur noch eine einzige Rezension) und dennoch weigere ich mich, den Blog mit Füllmaterial zu bestücken. Die verbleibenden Posts möchte ich nicht verschwenden und mich sogar noch einmal Haruki Murakami widmen, dessen Essay-Sammlung "Von Beruf Schriftsteller" mir außerordentlich gut gefallen hat und mitunter zu den besten Büchern zählt, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Anzumerken wäre dabei, es handelt sich hier um ein Non-Fiction Werk des Japaners. Murakamis letzter großer Roman ("Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki") liegt tatsächlich schon über 3 Jahre zurück. Wie immer hält sich der Autor mit Infos zu seinem neuen Roman stark bedeckt. Die Unberechenbarkeit besteht jedoch darin, dass Murakamis neue Veröffentlichungen nur selten angekündigt werden. Auch was eine ausführlichere Inhaltsangabe angeht bleibt das Mysterium aufrecht erhalten, bis der Titel letztendlich im Buchhandel erscheint. Genau dazu hat Murakamis Verlag nun aber überraschend Klarschiff gemacht: Der neue Roman wird im Februar 2017 im japanischen Buchhandel erscheinen. Ein genaueres Datum gibt es noch nicht und wird vermutlich erst 1-2 Tage vorher bekanntgegeben, bevor der Roman dann auch erscheint. Murakami selbst äußerte sich kürzlich zu seinem neusten Werk, als er im Rahmen des "Hans Christian Andersen Awards 2016" in Dänemark (Odense) zu Gast war und gemeinsam mit seiner dänischen Überstzerin Mette Holm an einer Diskussionsrunde teilnahm. Mehr als ein kurzes Statement konnte man ihm jedoch nicht entlocken. Murakami bestätigte jedoch, seine neue Geschichte wird erstmals nach einer langen Zeit wieder einen Ich-Erzähler haben (ein Merkmal der japanischen Literatur). Desweiteren beschreibt er, bei seinem neuen Buch würde es sich um eine >>sehr seltsame Geschichte<< handeln. Also eigentlich alles wie immer, oder? Gerüchten zufolge soll sein neustes Werk teilweise in Wien spielen. Je nachdem, wie lang der Roman sein wird, besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass das Werk vielleicht noch 2017 in Deutschland erscheinen wird.

Um den Beitrag abzuschließen möchte ich noch etwas für die Augen bereitstellen. Obwohl es sich hier um Material handelt, was 2011 das Licht des Internets erblickt hat, ist der Bekanntheitsgrad dieser Artworks nicht all zu hoch. Besten Dank an "Am Meer ist es wärmer" Leser >>Mangrove<<, der mir den Tipp gegeben hat.

Bei den Artworks handelte es sich um eine Promo-Aktion für 1Q84. Der Künstler Micah Lidberg fertigte dabei fünf Zeichnungen an, die auf Romanen und Anthologien von Haruki Murakami basieren. Surreale Literatur trifft dabei auf surreale Kunst. Damit möchte ich den Autor auch in seine verdiente Winterruhe schicken, einige Leser wissen es vermutlich, das große Werk des Japaners gehört zu diesem Blog wie das Salzwasser zu den Meeren unserer Welt.


(Der Elefant verschwindet. Copryright: Micah Lidberg)


(Wilde Schafsjagd. Copryright: Micah Lidberg)


(1Q84. Copyright: Micah Lidberg)


(Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt. Copyright: Micah Lidberg)


(After Dark. Copyright: Micah Lidberg)


Quelle: Nowness

Sonntag, 27. November 2016

Tag 7 Review: Kingsglaive: Final Fantasy XV



Trailer

Aufgrund der strikten Copyright-Richtlinien auf YouTube und Co. sowie der Kurzlebigkeit der Videos wird es auf "Am Meer ist es wärmer" fortan keine Trailer mehr zu den jeweils besprochenen Filmen geben. Danke für euer Verständnis.



Japan 2016

Kingsglaive: Final Fantasy XV
Regie: Takeshi Nozue
Drehbuch: Takashi Hasegawa
Englische Stimmen: Aaron Paul, Sean Bean, Lena Headey, David Gent, Darin DePaul
Laufzeit: Circa 110 Minuten
Genre: Fantasy, Action, Animationsfilm
Verleih: Sony Pictures
Premiere: 9 Juli 2016
FSK: Ab 12



In genau zwei Tagen endet für viele Fans des Final Fantasy Franchise eine Odyssee, die nun beinahe 10 Jahre andauert. Eine rund 10 jährigen Reise, in der das geplante Final Fantasy XIII Spin-Off "Versus" im laufe der Jahre zum neuen, nummerierten Final Fantasy wurde. Und was eignet sich da so kurz vor der [offiziellen] Veröffentlichung des Videospiels besser, als das filmische Tie-in, welches im Juli dieses Jahres seine Premiere in Japan feierte. Kingsglaive: Final Fantasy XV dient nicht nur als Prequel, sondern auch als Interquel zum kommendem Videospiel. Die Macher waren dabei jedoch sehr ambitioniert, versprachen sie, Kingsglaive können auch die Leute genießen, die weder was mit den Videospielen am Hut haben, noch vor haben, Final Fantasy XV zu spielen.
Auf dem Papier mag das nicht falsch sein, ein Vorwissen über die Welt von Final Fantasy XV als aber auch das offene Ende des Filmes wird es den Zuschauern schwerer machen, durch die Bedeutung dieses Multimedia-Projekts durchzusteigen.

Von den professionellen Kritikern fast ausnahmslos in den Boden gestampft, hat es Kingsglaive aber durchaus geschafft, sich bei Fans aus verschiedensten Bereichen einen Namen zu machen. Alleine die beinahe realitätsnahen CGI-Animationen brachten dem Film eine menge Lob ein. Doch wieso ging Kingsglaive ausgerechnet bei der Filmkritik baden? Funktioniert Kingsglaive nicht als eigenständiger Film? Nun, dies könnte mehrere Gründe haben, einer davon hat seinen Ursprung sogar relativ weit in der Vergangenheit. Vor über 16 Jahren hatte Hironobu Sakaguchi, Schöpfer des Final Fantasy Franchise, die Vision, Filme, komplett generiert aus CGI, können irgendwann einmal mit echten Spielfilmen aus Hollywood mithalten. Sakaguchis kostspielige Vision war als Trilogie geplant (aus offensichtlichen Gründen blieb es aber bei nur einem einzigen Film) und zusammen mit dem neu gegründeten Square Pictures Studio ging er das große Wagnis ein, den Name "Final Fantasy" für sein ambitioniertes Projekt zu benutzen. An den Kinokassen ging Sakaguchis "Final Fantasy: The Spirits Withing (Die Mächte in dir)" unter wie ein Segelboot in einem Taifun. Die wenigen Bezüge zum Final Fantasy Franchise machten die Kritiker und Kinogänger stutzig und man warf Sakaguchi vor, den mächtigen Namen für sein egoistisches Filmprojekt benutzt zu haben. Trotz für damalige Verhältnisse realitätsnahe Animationen (die sich auch heute noch sehen lassen können), bot sein Film eine eher wirre, beinahe schon belanglose Geschichte, die nur wenig Anklang fand. Die Moral von Sakaguchis Ausflug in die Filmwelt: Square Pictures ging Bankrott, Squaresoft, die kurz davor waren, sich mit dem einstigen Rivalen Enix zu fusionieren, drohte ebenfalls ein finanzielles Desaster und für Sakaguchi bedeutete es das Aus in der Firma, der er so viele Jahre die Treue hielt. Bei den strengen japanischen Hierarchien in der Arbeitswelt ist jedoch kein Platz für Romantiker. Über die Jahre hinweg fand "The Spirits Within" jedoch seine Anhängerschaft und man konnte bereits vor etlichen Jahren die Produktionskosten wieder einspielen. Rückblickend kann man also sagen, der Misserfolg von damals könnte dafür gesorgt haben, dass bei der internationalen Presse ein neuer Film aus dem Final Fantasy Universum grundsätzlich einen schweren Stand hat. Über die letzten Jahre hinweg sind Fans neue Final Fantasy Produkte eher skeptisch angegangen. Jeder neue Ableger muss sich daher erneut den hohen Erwartungen und den überkritischen Stimmen stellen, ist kein Selbstläufer mehr wie es vor rund 10 Jahren noch der Fall war, wo das Franchise das Maß aller Dinge in der Videospielwelt für viele Videospieler darstellte.

Nach der durchaus soliden, filmischen Final Fantasy VII Fortsetzung aus dem Jahr 2005, nämlich "Advent Children", sollte es über 10 Jahre dauern, bis Square Enix einen weiteren, komplett aus CGI kreierten Spielfilm in die Kinos bringt. Dabei sollte noch angemerkt werden, hierbei handelte es sich nur um eine streng limitierte Kinoauswertung. Um sich modernen Standards anzupassen, wählte Square Enix für die breite Masse noch vor der Blu-ray und DVD Auswertung eine Veröffentlichung auf "On Demand" Plattformen, Online.


(Crowe Altius auf geheimer Mission ins Königreich Tenebrae)


Bei Kingsglaive kann sich aber der Fan wie auch der Filmfan ohne erweitertes Wissen über das Franchise, zurücklehnen. Von der ersten Minute an ist Kingsglaive da und unterhält rund 2 Stunden äußerst kurzweilig. Der Spagat, dem Franchise treu zu bleiben mit kleinen Fanservice-Einlagen und kompletter Eigenständigkeit, einen actionreichen Spielfilm mit grandiosen Effekten abzuliefern, ist durchaus gelungen. Die Geschichte rund um eine Spezialeinheit, die auf direkten Befehlen des Königs (Sean Bean) handelt und von dessen Magie profitiert weist sogar einiges an Aktualität zum Weltgeschehen auf. Die politischen Aspekte des Films nehmen dabei aber nie Überhand. Der einstige Leitspruch des Final Fantasy XV Projekt "A Fantasy based on Reality" ist auch bei Kingsglaive noch absolut zutreffend. Zudem hat man mit Protagonist Nyx Ulric (Aaron Paul) noch eine charmante Alternative zum sich aufdrängenden Bilderbuch-Helden ins Rennen gebracht. Die teils tragischen Ereignisse in Kingsglaive sind, und da macht der Film keinen Hehl draus, darauf ausgelegt, als Vorlage für das kommende Videospiel zu dienen. Charakterentwicklungen zu manchen Figuren kommen dementsprechend etwas kurz, könnten ein wenig weiter ausgearbeitet sein für die Leute, die nicht vorhaben, das kommende Videospiel zu spielen. Kingsglaive jedoch als eine rund 2 stündige Actionszene zu bezeichnen ist aber grundsätzlich falsch. Neben den sehr actionreichen Passagen gibt es im Film genügend Verschnaufpausen, um die Zuschauer etwas zur Ruhe kommen zu lassen. Der eigentliche Twist des Films, nämlich, welcher Charakter sich unter der dicken, gepanzerten Rüstung (ein Markenzeichen des Franchise so wie der maskierte Bösewicht aus dem Gundam Franchise) von Antagonist Glauca befindet, hätte ein wenig spektakulärer ausfallen können und bringt leider auch einige Logiklöcher bzw. fehlende Erklärungen mit sich.

Für den stimmigen Soundtrack war John R. Graham verantwortlich. Zusätzlich wählte man noch ein paar ausgewählte Stücke aus dem Videospiel, die von der großartigen Yoko Shimomura komponiert wurden. Darunter auch das wunderschöne, mittlerweile 10 Jahre alte Stück "Somnus Nemoris", was bei der Ankündigung der ursprünglichen Version von Final Fantasy XV im Jahr 2006 benutzt wurde.
Noch eine interessante Info am Rande: Für Kingsglaive wurden zahlreiche verworfene Konzepte benutzt, die in das ursprünglich angekündigte Videospiel "Versus XIII" ihren Weg finden sollten. Veteranen, die schon lange dabei sind was die Entwicklung von Final Fantasy XV angeht, werden vielleicht einige bekannte Szenen aus alten Trailern in Kingsglaive wiederfinden. Selbstverständlich handelt es sich hier nicht um Recycling, die besagten Szenen wurden alle komplett neu konzipiert und animiert.
Neben einer guten deutschen Vertonung (die japanische Tonspur hat es leider weder in die digitale Version, noch in die fürs Heimkino produziertem Versionen geschafft), hat man sich für die englische Adaption (auf der, soweit ich recht informiert bin, auch die Bewegungen der Lippen im Film abgestimmt sind) etwas besonderes einfallen lassen. So engagierte man bekannte Größen wie Sean Bean (König Regis) und Lena Heady (Lunafreya), gemeinsam zu sehen in der ersten Staffel von Game of Thrones, als auch Aaron Paul (Nyx Ulric), den meisten wohl noch bekannt aus Breaking Bad. Die prominenten Sprecher, auch wenn Lena Heady vielleicht ein wenig zu alt für ihren Charakter Lunafreya klingt, liefern hier einen Klasse Job ab. Im Videospiel werden sie jedoch nicht zu hören sein. Auch die gesamten Designs im Film wurden an westliche Darsteller angepasst und unterscheiden sich teilweise sogar von denen aus dem Videospiel, besonders deutlich ist dies bei Prinzessin Lunafreya zu sehen. Insgesamt eine leichte Inkonsistenz bei den Designs, allerdings war dies wohl unvermeidbar weil man hier nicht auf asiatische Darsteller für das Motion Capture gesetzt hat.



(Ardyn Izunia wird auch im Videospiel den Protagonisten der Geschichte das Leben schwer machen)




Fazit

Kingsglaive: Final Fantasy XV bietet furiose, kurzweilige Unterhaltung mit großartigen Effekten. Von den 3 abendfüllenden Final Fantasy Spielfilmen hat Kingsglaive sich souverän bei meinem persönlichem Ranking als Nummer 1 durchgesetzt. Kleinere Schwächen was den Tiefgang der Geschichte und einiger Charaktere angeht, kann der Film überraschend gut kompensieren und ausgleichen. Ob Kingsglaive letztendlich dann was für Leute ist, die mit dem Franchise rund um Final Fantasy wenig oder gar nichts zu tun haben, kann hier nicht beantwortet werden und muss persönlich beurteilt werden. In Sachen ordentlicher Videospieladaption als aber auch beeindruckender CGI-Technik kann man den Film durchaus als Referenz nennen. Kingsglaive ist also nicht nur ein Warm-Up für das kommende Videospiel, sondern funktioniert durchaus als eigenständiges Werk.

Sonntag, 13. November 2016

Rezension: Das Buch vom Meer (Morten A. Strøksnes)







Norwegen 2015
Das Buch vom Meer
Alternativ: Das Buch vom Meer oder wie zwei Freunde in einem Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen
Originaltitel: Havboka – eller Kunsten å fange en kjempehai fra en gummibåt på et stort hav gjennom fire årstider
Autor: Morten A. Strøksnes
Veröffentlichung: 29.08.2016 bei DVA
Übersetzung: Ina Kronenberger, Sylvia Kall
Genre: -



"Seeleute an Land wirken häufig wie rastlose Gäste. Selbst wenn sie nie wieder zur See fahren werden, erwecken sie in Gesprächen und in ihrem Verhalten den Anschein, als wären sie nur kurz zu Besuch. Die Sehnsucht nach dem Meer werden sie nie ganz los. Das Meer, das nach ihnen ruft, muss sich jedoch mit ausweichenden Antworten begnügen.
Einen solchen geheimnisvollen Drang muss auch mein Ururgroßvater verspürt haben, als er das schwedische Binnenland verließ und durch Täler und über Berge nach Westen wanderte. Wie ein Lachs folgte er den großen Flüssen, zuerst gegen den Strom, dann mit ihm, bis er das Meer erreichte. Als Grund für die Wanderung soll er angegeben haben, er müsse unbedingt das Meer mit eigenen Augen sehen. Er hatte aber ganz sicher nicht die Absicht, jemals wieder dorthin zurückzukehren, von wo er gekommen war. Vielleicht ertrug er den Gedanken nicht, für den Rest seines Lebens mit gebeugtem Haupt über die kargen Äcker einer schwedischen Berglandschaft zu laufen. Er muss ein Mensch gewesen sein, der sich von Stimmungen leiten ließ, ein Träumer mit kräftigen Beinen, denn er schaffte es bis zur norwegischen Küste. Hier gründete er eine Familie und heuerte später auf einem Frachtschiff an. Irgendwo im Pazifik ging sein Schiff dann unter, und alle an Bord ertranken, ganz so, als wäre der Mensch vom Meeresgrund gekommen und müsste auch wieder dahin zurück. Als gehörte er eigentlich dorthin und hätte es die ganze Zeit über gewusst. So stelle ich es mir jedenfalls vor."
("Das Buch vom Meer", Morten A. Strøksnes. Übersetzung Ina Kronenberger und Sylvia Kall für DVA)



Der Blog vom Meer bekommt nun Unterstützung durch "Das Buch vom Meer". Morten A. Strøksnes Geschichte über 2 Freunde, die das Meer lieben und einen Eishai (besser bekannt als Grönlandhai) fangen wollen, hat sich zu einem kleinen Geheimtipp avanciert. Strøksnes ist in seiner Heimat natürlich kein unbekanntes Lichtchen. Als Journalist und Autor sind seine Aktivitäten relativ umfangreich. In Norwegen schätzt man Strøksnes Schreibkunst besonders im Segment der Sachbücher. Bei seinem neunten Buch, nämlich dem hier besprochenem "Buch vom Meer", hat der Autor sich dazu entschieden, das Sachbuch mit der Belletristik zu verbinden. Auf dem Papier ist der Roman Fiktion, verziert ist dieser aber mit Passagen, die genau so gut in eines seiner Sachbücher passen könnte. Zwischen Fiktion, etwas Naturwissenschaften und Wortwitz ist dem Norweger ein interessanter wie kurzweiliger Genremix gelungen. Leser, die ein gewaltiges Abenteuer im Stile von Moby Dick erwarten, könnten jedoch enttäuscht werden.

"Das Buch vom Meer" benötigt nicht lange, um direkt zum Punkt zu kommen. Strøksnes hält sich nicht lange mit Vorbereitungen auf und führt besonders die Charaktere zügig ein. Da hätten wir einmal den Ich-Erzähler, der den Leser durch die Geschichte geleitet (und ihm einen Platz auf dem Boot reserviert), gleichzeitig aber auch als Naturwissenschaftler agiert und die ganze Geschichte wie eine Dokumentation, aber auch einen Reisebericht beschreibt. Als zweiten Protagonist haben wir den langjährigen Kumpel des Erzählers, Hugo Aasjord. Der Erzähler nimmt sich keine Zeit uns Hugo bei der Begrüßung näher vorzustellen. Stattdessen webt er Hugos Hintergrundgeschichte (inklusive seiner Beschreibung) intelligent in separate Erzählungen beinahe beiläufig ein. Hugo ist ein etwas kauziger Zeitgenosse der am Meer aufgewachsen ist und regelrecht vernarrt und verliebt in seine Boote ist (und so ziemlich alles, was mit der See zu tun hat). Die Geschichte dieser beiden Herren beginnt an einem milden Sommertag. Die Vorbereitungen sind so gut wie getroffen, das teure Schlauchboot ist aufgepumpt und beide Männer wollen ihren Traum erfüllen, den sie lange im voraus geplant haben: Sie wollen einen Eishai fangen. Was beinahe schon simpel klingt, entpuppt sich für die beiden als eine langwierige Odyssee.

Wie ich schon beschrieben habe ist "Das Buch vom Meer" kein furioser Abenteuerroman. Stattdessen fährt Morten A. Strøksnes hier etwas ruhigere Gewässer an. Was aber nicht heißt, der Roman ist langweilig oder schwer zu lesen. Man muss ein wenig eigenen Enthusiasmus mitbringen, wenn man das Buch liest, sich besonders für die vielen dokumentarischen Anmerkungen des Erzählers interessieren, sich darin hineinversetzen können. Im laufe der Geschichte gibt es sicherlich immer mal wieder weniger interessante oder gar langwierige Abschnitte, die werden aber häufig durch wunderbar eingesetzten trockenen Humor kompensiert. Eines der Grundthemen des Buches ist die Sehnsucht und die Faszination des Meeres. Genau diese Mischung macht "Das Buch vom Meer" zu einem würdigen Vertreter, auf meinem Blog präsentiert und besprochen zu werden. Denn genau das ist die außergewöhnliche, exotische Literatur, nach der ich suche. So gesehen teile ich hier eine Leidenschaft mit den Protagonisten, auch wenn es wohl nun leicht an der Absurdität grenzen würde, wenn ich ein Buch mit einem Eishai vergleichen würde..... oder etwa.....


Resümee

"Der Weg ist das Ziel". Ein moosbewachsener Spruch, der zu diesem Roman aber großartig passt. Bei all den wundervollen Beschreibungen rund um die Natur und der See, da gerät das eigentliche Ziel dieser zwei relativ ungleichen Freunde schon einmal aus den Augen. Und dies gilt nicht als Kritik gemeint, die Beschreibungen, ganz besonders die Erklärungen, machen den Reiz dieser Geschichte aus.

Auf den letzten Seiten des Buches findet sich noch ein ausführliches Register, bei dem man Begriffe und Ereignisse nachschlagen kann. Auf dem Meer mag man sich als Laie verloren und hilflos vorkommen, in diesem ruhigen Abenteuer aus Norwegen haben wir mit Morten A. Strøksnes jedoch einen ausgezeichneten Reiseführer. "Das Buch vom Meer" ist Lesestoff für die kalte Jahreszeit. Und wenn einem das norwegische Klima doch einmal etwas zu nasskalt ist, hilft bestimmt ein warmer Glühwein aus.


(Steigen, Engeløya: Mehr Infos auf Norwegen Service)

Sonntag, 30. Oktober 2016

Rezension: Von Beruf Schriftsteller (Haruki Murakami)






Die Murakami Rezensionen 9

Japan 2015
Von Beruf Schriftsteller
Originaltitel: Shokugyo toshite no shosetsuka
Autor: Haruki Murakami
Veröffentlichung: 18.10.2016 bei DuMont
Übersetzung: Ursula Gräfe
Genre: Essays, Non-Fiction



"Der erste Pitcher der Hiroshima Carps war Satoshi Takahashi, glaube ich. Für Yakult spielte Yasuda. Als Takahashi in der zweiten Hälfte des Innings eröffnete, schlug Hilton den Ball sauber nach links und erzielte einen Two-Base-Hit. Der schöne, satte Ton, mit dem der Ball auf den Schläger traf, hallte im ganzen Stadion wider. Es erönte vereinzelter Applaus. Und just in diesem Moment kam mir völlig zusammenhanglos der Gedanke: >>Das ist es! Ich werde einen Roman schreiben.<<
In erinnere mich noch ganz genau an diesen Augenblick. Ich hatte das Gefühl, etwas wäre langsam vom Himmel gesegelt und ich hätte es mit den Händen aufgefangen. Warum es zufällig in meinen Händen landete, weiß ich nicht. Ich weiß es bis heute nicht. Doch was auch immer der Grund sein mag, es ist geschehen. Es war - wie soll ich sagen - wie eine Offenbarung. Am besten passt wahrscheinlich der Ausdruck >>Epiphanie<<. An jenem Nachmittag geriet plötzlich etwas in mein Blickfeld, das meine Perspektive völlig veränderte. In dem Moment, als Dave Hilton im Jingu Stadion den schönen Two-Base-Hit erzielte, wurde mein Leben ein anderes."
(Aus dem Essay "Wie ich Schriftsteller wurde" von Haruki Murakami, Übersetzung: Ursula Gräfe, DuMont Verlag)



Den Murakami-Oktober möchte ich mit einer in Deutschland brandneuen Veröffentlichung abschließen. DuMont hat Haruki Murakamis Essay-Sammlung "Von Beruf Schriftsteller" ein knappes Jahr nach der japanischen Veröffentlichung nach Deutschland gebracht. Und obwohl wir uns auf den nächsten großen Roman von Murakami wohl noch lange gedulden müssen, so ist das Non-Fiction Werk für jeden Fan des Autors (und vielleicht auch darüber hinaus?) ein mehr als gelungenes "Trostpflaster". Alles, was man in Murakamis Kurzgeschichten und Romanen findet, ist auch in dieser umfangreichen Essay-Sammlung vorhanden. Der DuMont Verlag geht die Vermarktung des Buches genau richtig an und bewirbt den Titel nicht als Autobiografie. Obwohl wir so viel über den eher scheuen und zurückgezogenen Autor erfahren wie nie, ist die Person >>Haruki Murakami<< nicht der Mittelpunkt dieser Essay-Sammlung. Gleiches gilt übrigens auch für seine Memoiren "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede".

"Von Beruf Schriftsteller" ist aufgeteilt in insgesamt 11 Essays inklusive eines Nachworts. Für mein obligatorisches Eröffnungszitat habe ich bewusst diesen Absatz aus dem zweiten Essay "Wie ich Schriftsteller wurde" gewählt. Dieses Essay gehört mit zu den persönlichsten Abschnitten in dem Buch. Wenn es etwas gibt, was man beim recherchieren über Murakami immer wieder liest, so ist es der Moment, was den Japaner dazu inspirierte, Romanautor zu werden. Man liest immer wieder etwas "Von einem beeindruckendem Schlag während eines Baseballspiels". In dieser Essay-Sammlung erfahren wir von Murakami persönlich, wie sich dieser beinahe schon abstrakte Moment zugetragen hat. Anhand von seinen surrealen und bizarren Geschichten wissen wir bereits, bei Murakami hat man es nicht unbedingt mit einem gewöhnlichem Autor zu tun. Mit großer Freude blickt Haruki Murakami auf dieses Ereignis aus dem Jahr 1978 zurück. Murakami verfasste anschließend den kurzen Roman "Wenn der Wind singt". Jedoch sollte es eine lange Zeit dauern, bis der Autor seinen einzigartigen Stil gefunden hat. Viele Jahrzehnte verwehrte es Murakami, seine beiden Frühwerke "Wenn der Wind singt" und "Pinball 1973" international neu auflegen zu lassen. Irgendwann konnte er vermutlich das Flehen seiner Leser nicht mehr ertragen und gab grünes Licht dafür, diese beiden Werke komplett neu auflegen zu lassen. Die Romane sind, ebenfalls über DuMont, als Sammelband vereint mit beiden kurzen Romanen, im vergangenem Jahr in Deutschland erschienen.

Beim lesen der Essays habe ich mich dabei ertappt, wie ich in die Gedankenwelt Murakamis eingetaucht bin und das Buch gar nicht mehr für ein Non-Fiction Werk hielt, sondern für eine neue Sammlung von Murakamis Kurzgeschichten. Dabei sind die Essays nicht abenteuerlich geschrieben. Dafür aber sehr unterhaltsam, mit Wortwitz und dem typischen Murakami-Stil. Doch er findet, besonders im ersten Essay "Schriftsteller - ein toleranter Menschenschlag?" auch kritische Worte. Kritische Worte gegenüber der Schriftstellergilde, aber auch kritische Worte den Kritikern gegenüber. Dabei verfällt Murakami aber nie in eine Selbstverliebtheit gegenüber sich selbst, genau so wenig auch nicht in übertriebene Demut. Murakami weiß, was er kann (und auch nicht kann), beschreibt dies aber mit einer sympathischen Bescheidenheit, einer Bodenständigkeit. Seine Texte wirken wieder einmal motivierend. Ganz besonders Anfänger, die sich selbst ans Schreiben wagen, dürften hier inspiriert werden.

Haruki Murakami erweist sich auch hier wieder einmal als wichtiger Autor für eine noch junge Generation. Besonders die Altersklasse zwischen 20-30 Jahren, die ihren Lebensweg noch nicht so richtig gefunden hat, dürften in den Essays etliche tröstende Worte finden. Der Autor mahnt dennoch dazu, selbst wenn man durch glückliche Zufälle seinen Lebensweg gefunden hat, man hart arbeiten muss, um im Geschäft zu bleiben, oder, wie er es in einer Metapher ausdrückt, die Karriere mit einem Battle Royal beim Wrestling vergleicht. Egal ob Schriftsteller, Maler oder Handwerker, am Ende kommt es drauf an, nach wie vielen Runden man noch im Ring stehen wird.

In zahlreichen weiteren Essays schreibt Murakami über alltägliche Dinge, die allesamt mit dem Thema "Von Beruf Schriftsteller" zu tun haben. Ein weiteres interessantes Essay folgt direkt an Nummer 3: "Über Literaturpreise".

Die deutschsprachige Ausgabe ist wie gewohnt beim DuMont Verlag erschienen. Und wie gewohnt war die routinierte Japanologin Ursula Gräfe für die Übersetzung (selbstverständlich eine Übersetzung direkt aus der japanischen Sprache, eine englische Ausgabe existiert meines Wissens sowieso noch nicht) verantwortlich. In einem kurzen Austausch auf Facebook mit ihr konnte ich erhaschen, dass die Übersetzung diesmal ein relativ harter Brocken war. Von den Strapazen bekommen wir als Leser nicht viel mit, denn wie immer liest sich die Übersetzung flüssig und absolut hervorragend.

"Die Spezies Schriftsteller (zumindest die meisten von ihnen) gehört unbedingt zum Typ des weniger klugen Mannes. Sie können nicht begreifen, was der Fuji ist, solange sie ihn nicht wirklich auf ihren eigenen Beinen bestiegen haben. Es liegt womöglich sogar in der Natur des Schriftstellers, dass er den Berg, selbst wenn er ihn mehrmals besteigt, noch immer nicht versteht oder sogar umso weniger, je öfter er ihn besteigt. Hier hätten wir dann einen Fall von >>Sub-Effektivität<<.  Einem scharfsinnigen Menschen würde so etwas nie passieren." (Aus dem Essay: "Schriftsteller - ein toleranter Menschenschlag?" von Haruki Murakami. Übersetzung: Ursula Gräfe, DuMont Verlag)


Resümee

Für Leser/Fans von Haruki Murakami ist "Von Beruf Schriftsteller" Pflichtprogramm. Doch an diesem Werk könnten auch noch ganz andere Leute ihre Freude haben. Leute, die als Hobby gerne Texte verfassen, werden in dieser Essay-Sammlung etliche interessante Anekdoten finden. Aber auch außerhalb der Schriftstellerei gibt es in diesem Band genug zu entdecken, um sich in Murakamis Gedankenwelt zu verlieren.

Die Sammlung ist kein trockenes oder staubiges Sachbuch, kein Ratgeber und auch keine Autobiografie. "Von Beruf Schriftsteller" ist 100% Haruki Murakami. Mehr gibts da auch gar nicht zu schreiben, denn manchmal sind die Dinge einfach selbsterklärend.


Freitag, 28. Oktober 2016

Kurzgeschichten-Intermezzo: Glühwürmchen (Haruki Murakami)







Die Murakami Rezensionen 8

Japan 1984
Glühwürmchen
Originaltitel: Hotaru
Autor: Haruki Murakami
Anthologie: Blinde Weide, schlafende Frau
Verlag: DuMont (Hardcover), btb (Taschenbuch)
Übersetzung: Ursula Gräfe
Genre: Drama, Slice of Life


"Vielleicht leuchteten Glühwürmchen nur in meiner verklärenden Erinnerung so hell. Oder es war in meiner Kindheit draußen dunkler gewesen. Ich wusste es nicht mehr; ich wusste nicht einmal mehr, wann ich zum letzten mal ein Glühwürmchen gesehen hatte.
Woran ich mich erinnern konnte, war das Rauschen von Wasser in der Nacht - an eine alte Backsteinschleuse, die mit einer Kurbel geöffnet und geschlossen wurde, und an einen von Pflanzen überwachsenen Bach. Ringsum war es stockdunkel, und über der Schleuse flogen Hunderte von Glühwürmchen. Eine Masse aus gelbem Licht loderte über dem Wasser, als stünde es in Flammen. Wann war das nur gewesen? Und wo?"
(Haruki Murakami, Glühwürmchen. Übersetzung: Ursula Gräfe)


Eingefleischte oder gar mittlerweile eingerostete Leser von "Am Meer ist es wärmer" können sich vielleicht noch dumpf an die Kategorie "Kurzgeschichte des Monats" erinnern. Die Rubrik wurde nicht nur schmerzlich vernachlässigt, sie ist quasi nicht mehr existent. Überraschend schaute ich auf den einzigen Eintrag aus dem Jahr 2014 der Kurt Vonnegut's großartiger Erzählung Harrison Bergeron (Link zur Besprechung) gewidmet war. Obwohl ich die kurze Geschichte verehre, ist die Auswahl an guten Geschichten viel zu enorm, um sich monatlich für eine entscheiden zu können. Dementsprechend möchte ich die Rubrik zum "Kurzgeschichten-Intermezzo" umtaufen, um nach und nach herausragende Kurzgeschichten, ohne zeitliche Begrenzung, entspannt präsentieren zu können.

Wenn man über Kurzgeschichten berichtet, darf man selbstverständlich nicht Haruki Murakami übergehen. Da ich den Oktober aus diversen Gründen immer mit Murakami in Verbindung bringe und die herbstliche Stimmung perfekt zu seinen Geschichten passt, da war es nicht schwer, Murakami für die wiedergeborene Rubrik auszuwählen. Die Frage war nur, welche Geschichte sollte ich wählen? Viele von Murakamis Kurzgeschichten brauchen sich nicht vor seinen großen Romane verstecken. Jede Geschichte ist ein Kleinod. Meine Wahl fiel als erstes auf "Tony Takitani", eine für Murakami typisch melancholische Kurzgeschichte von genau der passenden Länge. In der wundervollen Anthologie "Blinde Weide, schlafende Frau" könnte man aber quasi jede Kurzgeschichte wählen. Als ich dann aber bei der Geschichte "Glühwürmchen" angelangte, sie las und mir darüber Gedanken machte, da habe ich mir meine Auswahl noch einmal anders überlegt. Aber wieso? Nun, der Geschichte haftet etwas besonderes an sich, etwas, was Murakami ein paar Jahre nach der Veröffentlichung dieser Kurzgeschichte in seinem Heimatland zu einem der gefragtesten Schriftsteller machte.

"Glühwürmchen" spielt ende der 60er Jahre. Protagonist ist ein namenloser Ich-Erzähler. Ein Student, der über seine Zeit in einem etwas skurrilen Studentenwohnheim berichtet. Etwas trübe berichtet der Erzähler über alltägliche Dinge, seinen Tagesablauf und einem spleenigen Mitbewohner.
Eines Tages trifft unser Erzähler er eine alte Freundin wieder, beide haben sich lange nicht gesehen und er verrät dem Leser, wie sehr sie sich optisch verändert hat, jedoch noch hübscher geworden ist. Das Mädchen ist die ehemalige Partnerin des besten Freundes des Erzählers. Jener bester Freund, der vor einiger Zeit ohne einen Abschiedsbrief zu hinterlassen, den Freitod gewählt hat. Der Erzähler und das Mädchen haben sich nicht viel zu sagen. Sie schlendern planlos die Straßen entlang ohne ein Ziel vor Augen zu haben. Beide spüren sie jedoch eine Lücke in ihrem Leben, verfolgt von der Vergangenheit fühlen sie sich dennoch irgendwie zueinander hongezogen. Die beiden müssen einen gemeinsamen Weg finden, den Geistern ihrer Vergangenheit zu entkommen.

Wenn ich die Kurzgeschichte mit einem Wort beschreiben könnte, so würde ich "herbstlich" sagen. Eine Kurzgeschichte, die eine Jahreszeit wiederspiegelt und man beinahe den Laub riechen kann, der sich auf den herbstlichen Straßen und Wäldern tümmelt. Murakamis Protagonist ist einer seiner typischen 0815 Helden, ohne das dieser jedoch in ein surreales Abenteuer verwickelt wird. "Glühwürmchen" ist bodenständiger, weniger abenteuerlich und doch berührt einen die Geschichte, ohne das viel passiert. Der Erzähler erzählt selbst traurige Ereignisse nüchtern und beinahe teilnahmslos. Die Passagen im Wohnheim sind trocken-witzig und erheitern die oftmals melancholische Stimmung.

Gelegenheitsleser, oder Leser, die vielleicht erst durch Murakamis neuste Werke wie "1Q84" in die Welt des Autors eingetaucht sind, wissen es vielleicht noch gar nicht. Einige von Murakamis Erzählungen dienten als Inspiration für seine großen Romane. Die Kurzgeschichte "Der Aufziehvogel und die Dienstagfrauen" (Anthologie: Der Elefant verschwindet) diente als Prolog für einen von Murakamis bekanntesten Romanen, "Mister Aufziehvogel". Die Kurzgeschichte "Menschenfressende Katzen" (Anthologie: Blinde Weide, schlafende Frau) verarbeitete er in "Sputnik Sweetheart". Und wenn einem beim lesen von "Glühwürmchen" ein leichtes Déjà-vu beschleicht, der liegt nicht falsch. Denn "Glühwürmchen" diente als Inspiration für Murakamis Bestseller "Naokos Lächeln". Das Grundkonzept ist in der Kurzgeschichte schon enthalten. Die Charaktere besitzen noch keine Namen und benehmen sich ein wenig anders als im Roman, aber schnell wird man als aufrichtiger Leser sämtliche Parallelen entdecken. Die Kurzgeschichte kann dennoch problemlos als eigenständiges Werk angesehen werden. Das Ende wirkt rund, lässt wenige Fragen auf und dennoch regt es zum nachdenken an.



Resümee

Eine Geschichte wie eine Jahreszeit. "Glühwürmchen" ist eine kurze, aber wundervolle Erzählung die einen gut durchdachten Aufbau hat und für die wenige Seitenanzahl sogar einiges an Charaktertiefe aufweist. Haruki Murakamis Stil ist auch in diesem Frühwerk sehr gut erkennbar. Egal ob man Fan von Murakamis Kurzgeschichten ist oder aber einfach nur den Vorreiter zu "Naokos Lächeln" kennen lernen will, seine Zeit wird man mit dieser Kurzgeschichte sicherlich nicht verschwenden.